Söldner - Rebellen - Freischärler
-entnommen dem Festbuch der Freischar zum 375-jährigen Jubiläum im Jahre 1983-

 

Der Überfall der Söldner des Grafen von Moers und Neuenahr auf die Fronleichnams-

prozeßion im Jahr 1608 bildet den geschichtlichen Hintergrund der Fehdeansage und der

Barrikadenkämpfe - also der Gründung dieser Kompanie. Dieser Anlaß war der Beginn

einer Tradition, die alle zwei Jahre beim großen Schützen- und Heimatfest in Lank-Latum

fortgesetzt wird. Ursprünglich waren die früheren Freischärler "freie Rebellen" das heißt,

diese waren nicht der Bruderschaft angeschloßen. So kam es Ende des vorigen- und

Anfang dieses Jahrhunderts teilweise zu schweren Auseinandersetzungen während des

Schützenzuges.

So versperrten unter anderem gefüllte Jauchekarren, ineinander geschobene Pferde- bzw.

Ochsenkarren, die als Barrikaden auf dem Kaldenberg aufgestellt wurden, den Schützen den

Weg durch Latum. Aus früheren Erzählungen von "Spennes Heini" und "Frönds Wellem"

beide von der Äschdonk, sowie "Fehmisch Driekes", genannt der "Wein-Onkel", weil er

Dank einer transportablen Kelterpreße einen vorzüglichen Stachelbeer- bzw. Johannesbeer-

wein machte. Später noch von Beeser Kwiek bestätigt, ging es bei den damaligen

Schützenfesten auf dem Kaldenberg immer heiß her. Bei "Becker,Hennes" genannt

"Eidechs" fand man sich zusammen und heckte die "Schandtaten" aus.

Das erste Schützenfest nach dem 1.Weltkrieg fand 1926 statt. Die freien Rebellen waren

natürlich auch wieder auf dem Plan. Zum Teil die altbewährten-, teilweise aber auch schon

junge Latumer, die sich erst noch bewähren mußten. Im Zuge der Mitgliederwerbung der

Bruderschaft im Jahre 1928 trat man, nach erbittert geführten Diskußionen, dieser bei. Die

Rebellen (Freischar) blieben trotzdem ein eigenes Völkchen. So wurde beim Schützenfest

1929, wobei sich die Freischar zum ersten Mal in eigener Uniform präsentierte, Klara

Leopold als eigene Freischarkönigin gekrönt.

Beim darauf folgenden Schützenfest war es Maria Porten, die spätere Frau des damaligen

Hauptmanns Onnertz, "Schäng". Auch beim ersten Schützenfest nach dem 2. Weltkrieg trat

nochmals eine Freischarkönigin in Erscheinung. Es war Beeser, Leni, die Frau des

damaligen Hauptmanns Willi Beeser.

Anläßlich des Jubelfestes 1935, stellte die Freischar mit Gerhard Götzen erstmalig den

König der Bruderschaft. Bei der großen Schlußparade schwenkte die Freischar aus und

paradierte nicht an den Majestäten und Honoratioren vorbei. Vielmehr legt sie sich

demonstrativ auf die Festwiese nieder und begründete damit eine Tradition, die auch heute

noch Gültigkeit hat. So wird jeder Freischärler, der die Königswürde erringt bzw. dem

Königshaus als Minister angehört, für die Zeit seines Amtes von der Freischar

ausgeschloßen.

Nach dem 2.Weltkrieg ruhte in der Freischar und in der Bruderschaft jegliches

Vereinsleben. Aber schon im Juni 1946 trafen sich die ersten "Sebastianer" und beschloßen

die Bruderschaft wieder aufleben zu laßen. Auch in Latum wurde man aktiv und die

Freischar begann sich wieder zu formieren. Die Initiatoren waren: Onnertz, "Schäng",

Beeser, Wilhelm (Kwiek), Willi Beeser – der Hauptmann wurde - Johann Steinebach und

der unvergeßene Oberleutnant "Schmitte Fränz". Zu diesen bereits zwischen den Kriegen

aktiven Freischälern, gesellten sich neue dazu: Hufer, Heini; Merks, Fritz; Frönds, Pitter"

(Fehmers Peter), "Schmitte, Schäng" (Platen Wilhelm) und der Hauptmann Paul Bettendorf,

sowie "Jonnie" Johnson. Aufgrund einer Begebenheit, wodurch sich kameradschaftliche

Kontakte zum früheren Hauptmann Willi Beeser und somit zur Freischar ergaben, stieß

einige Zeit danach, der Kaplan Josef Hohn zu den Rebellen. Seither ließ er es sich nicht

nehmen, Schützenfest-Sonntag die hl. Meße für die Freischar zu lesen. Selbst als er 1955

Pfarrer in Greßenich wurde, kam er regelmäßig zum Schützenfest nach Lank-Latum, um

in diesen Tagen als "Rebellenkaplan" bei seinen Kameraden zu sein. Hoch zu Roß ritt er

mit zur Fehdeansage und mittags stand er mit den Freischärlern hinter den Barrikaden. Im

Jahre 1977 wurde Pfarrer Josef Hohn für seine 25 jährige Tätigkeit als "Rebellenkaplan"

durch seinen langjährigen Freund und Hauptmann der Freischar, Paul Bettendorf, geehrt.

Allzu früh verstarb der von uns allen geachtete und verehrte Pfarrer im Juni 1980. Die

Freischar gab ihm in Greßennich/Eifel das letzte Geleit.

1953 zum 25-jährigen Jubiläum der Zugehörigkeit zur Bruderschaft, trat die Freischar wieder

in eigener Uniform auf. Beeser , "Kwiek" war nach dem 2.Weltkrieg der Älteste noch aktive

Freischärler. Er trat 1953 mit dem Außpruch aus "Es lebe der freie Rebell!" Er konnte es

nicht verwinden, daß die Freischar im Jahre 1928 der Bruderschaft beigetreten war.

1958 beging man das 350 jährige Bestehen. Es war ein Fest, welches jedes Freischarherz

höher schlagen ließ. Nicht aber vergeßen wollen wir die Schützenfeste! Sie bilden immer

die Höhepunkte unseres Vereinslebens. Diese Feste - mit Fehdeansage und

Barrikadenkämpfe- sind ohne die Freischar Latum 1608, undenkbar. Wir sind stolz auf

unsere Mitwirkung, die zum Gelingen des Festes beiträgt und bemühen uns auch weiterhin

diese Tradition fortzuführen und zu erhalten. Mit unserem Grundsatz: "Nix överdrieve,

immer en de Medde blieve" dürfte dieses nicht unmöglich sein!